Obdachlose – Menschen zweiter Klasse?

Nachhaltigkeitsziel Ziel 1: ARMUT IN ALLEN IHREN FORMEN UND ÜBERALL BEENDEN.

„Armut ist nicht natürlich, sie wurde von den Menschen geschaffen und kann deshalb überwunden, sowie durch geeignete Maßnahmen ausgerottet werden. Die Beseitigung der Armut ist kein Akt der Barmherzigkeit, sondern der Gerechtigkeit.“1

Ich ziehe mit meinen Freunden durch die Kneipen. Wir suchen nach der nächsten Kneipe. Da sehe ich wieder einmal einen Obdachlosen, einen Penner. Nutzlose, faule Leute sind das. Jeder kann in Deutschland eine Wohnung haben. Und der hier, der bleibt lieber auf der Straße, der will auch gar nicht arbeiten. Wie gut, dass ich nicht so bin wie er. Wie gut, dass ich ein besser Mensch bin. Naja, denke ich mir, manch einer hat´s nicht anders verdient.

Solche und ähnliche Gedanken und Ansichten haben einige Leute. Vielleicht aus Unwissenheit heraus. Vielleicht, weil sie sich so mal gut fühlen können, besser als der andere zu sein. Mal mit dem Finger auf andere zeigen können. Schaut her, was für ein Nichtsnutz und schaut auf mich, was für ein guter Mensch ich bin. Dass dieser Obdachlose in seiner Kindheit schwer misshandelt wurde, seine Eltern nie für ihn da gewesen waren und er seine Traumata mit Drogen versucht irgendwie aushaltbar zu machen, übersieht man. Drogen, die zur Sucht geworden sind, aus der es unmöglich scheint auszubrechen.

Jeden Tag auf Abneigung und Ablehnung zu stoßen. Jeden Tag ein „Nein“ zu hören, „Nein, hier gibt es nichts für dich. Du bist hier nicht willkommen.“ Ich meine, ich möchte mich um bedürftige kümmern, aber werde ich dann auch zu den „Asozialen“ gezählt? Obdachlosigkeit, so etwas ist irgendwie anders, unbekannt und schmutzig. Aus der eigenen Komfort-Zone auszutreten, dafür braucht man Mut. Während meines Freiwilligendienstes habe ich u.a. mit Obdachlosen und Leuten aus dieser Szene zusammengearbeitet. Ich habe meine Vorbehalte, meine Angst fallen gelassen und konnte diese „Schmarotzer“ als Menschen sehen und kennenlernen. Es war teilweise herausfordern mit manch einem umzugehen zu lernen. Da spielten psychische Erkrankungen, Drogen und Traumata eine Rolle.

Ich bin froh, dass ich eine behütete Kindheit hatte, eine gute Beziehung zu meinen Eltern, einen guten Freundeskreis, meine Gemeinde habe, weiß, dass ich wertvoll und geliebt bin von Gott und nicht stetig Bestätigung suche. All das ist nicht selbstverständlich und das liegt zum Großteil nicht in unseren Händen. Ich bin dankbar, dass es mir gut geht. Ich bin dankbar, dass ich die Kraft habe, anderen Menschen zu helfen. Ich frage die Obdachlose, ob ich ihr etwas zu essen kaufen kann. Morgen gehe ich in die Suppenküche unserer Stadt und frage, ob Sie etwas Hilfe gebrauchen können. Weiter überlege ich, dass ich einen Beruf wählen könnte, in dem man schon im Kindesalter eines Menschen versucht ihm Sicherheit zu geben, damit es nicht zu Gewalt kommt. Ich könnte bspw. in einem Jugendamt arbeiten. Oder ich helfe als Krankenpfleger Ärzten, die sich speziell um Obdachlose kümmern.

Während des Freiwilligendienstes durfte ich von unserer Streetworkerin lernen, wie wichtig die Arbeit an der Beziehung ist, wenn man mit Bedürftigen arbeitet. Es geht um den Menschen und hier geht’s nicht darum die nächsten großen Gewinne verkünden zu können. Es ist ein Weg, den man beschreitet. Schritt für Schritt. Es gibt Rückschläge und doch macht man weiter, denn ein jeder Mensch ist es wert.

Für Deutschland gehen die aktuellsten Schätzungen von bundesweit rund 678.000 Menschen aus, in etwa die Einwohnerzahl der Metropole Frankfurt am Main. Fünf Jahre zuvor lag die BAG (Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe) W-Schätzung noch bei 335.000 Wohnungslosen.“2

1 https://17ziele.de/ziele/1.html

2 https://www.tagesschau.de/inland/wohnungslose-107.html

Liebe Grüße Daniel (ehem. FW in den USA, Botschafter)

CD-Botschafter*innen sind Teil der Rückkehrer*innen-Arbeit von Christliche Dienste. Zurückgekehrte Freiwillige wurden im Rahmen eines FEB-Projektes (Förderprogramm Entwicklungspolitische Bildung durch engagement Global) zu Themen der Nachhaltigen Entwicklung fortgebildet. Das Botschafter*innen-Seminar fand im März 2020 statt und bot, neben Themeneinheiten, Raum für Vernetzung und Austausch.

 

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Fotocredits: Malteser https://www.malteser.de/aware/hilfreich/obdachlose-in-deutschland-ursachen-und-auswege.html?utm_source=https://www.google.com/ 

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