Wir haben Pauline Lucht und ihren Vater Tobias interviewt:
Liebe Pauline, dein Vater war kein Stubenhocker, sondern hat sich für ein Jahr sozialen Dienst in die Ferne getraut. Was meinst Du, was hat ihn dadurch geprägt?
Mein Papa erzählt häufig von seinem Freiwilligendienst und seinen Erlebnissen dort. Er hat dort einige Freunde gefunden, zu denen er teilweise auch bis heute Kontakt hat. Mit denen sind viele lustige Geschichten entstanden, wie ein wochenlang vergessener Fisch im Kühlschrank seiner WG, weil jeder dachte es gehöre dem anderen. Was ihn, glaube ich, am meisten geprägt hat, war die Entwicklung seines späteren Berufswunsches. Durch die Arbeit in der Kirche mit Kindern, hat er seine Begeisterung für soziale Arbeit entdeckt. Somit hat er danach soziale Arbeit studiert und leitet nun die Archen in Hamburg.
Gibt es vielleicht Werte, die dadurch in eurer Familie gelebt wurden?
Einen direkten Zusammenhang kann ich nicht sehen. Aber während dieser Zeit sind viele Dinge in seinem Glauben und Erfahrungen mit einer anderen Kultur und Menschen passiert. Das, was er daraus gelernt hat, versucht er auf jeden Fall an uns weiterzugeben.
Auch Du hast nun die Erfahrung in einer anderen Kultur gelebt zu haben. Wenn es mal sein sollte, was würdest du gerne deinem Kind mitgeben?
Es war auf jeden Fall kein einfaches Jahr für mich. Dennoch habe ich so viel gelernt und so wertvolle Begegnungen gehabt, von denen ich auf jeden Fall erzählen möchte. Einer der wichtigsten Werte ist, wert zu schätzen wie privilegiert wir sind und dass Glaube durch vieles durchträgt. Und auch wie viel die Arbeit mit dem, was man liebt, einen erfüllen kann…
In einem Satz: Was hat Dein Vater wohl nicht gelernt und sollte er nachholen 😊?
Auch wenn man stolz auf seine Tochter ist, nicht in ihren insta- Posts mit „stark 👏🏻👏🏻- freuen uns dich bald wiederzusehen“ zu kommentieren 😂
Lieber Tobias, wie war es für Dich, Deine Tochter ziehen zu lassen? Hast Du nun mehr Mitgefühl mit Deinen Eltern (was sie alles mit Dir mitgemacht haben…)?
Ehrlich gesagt habe ich mich für Pauline gefreut, als wir sie zum Flughafen gebracht haben und wäre am liebsten auch nochmal mitgeflogen, um so in eine andere Kultur einzutauchen. Aber natürlich waren wir als Eltern auch traurig, dass sie nun wirklich ihr Zuhause verlässt. Und wir vermissen sie natürlich auch. Ihr diese Zeit zu gönnen – das hat aber überwogen, wusste ich doch, sie wird dort Lebenserfahrung sammeln, die ihr niemand nehmen kann.
Wenn Du vergleichst, wie Dich das Auslandsjahr geprägt hat, siehst Du ähnliche Auswirkungen in Deiner Tochter? Falls ja, was?
Während meines Auslandsjahres habe ich Jesus auf eine Weise erlebt, die auch meine Berufswahl sehr beeinflusst hat. Viele Dinge sind in dieser Zeit „geschliffen“ worden. Das erlebe ich bei Pauline auch und sie kommt zurück mit einem klaren nächsten Schritt von Gott. Sie macht andere Grenzerfahrungen und lebt in einer anderen Kultur als ich damals. Daher ist ihr Weg anders als meiner. Wir sind als Eltern auf jeden Fall stolz auf sie, dass sie nun auch eigenständig Entscheidungen in ihrem Leben trifft. Wir durften sie am Einsatzort auch besuchen und haben erlebt, wie sie in der Kultur angekommen ist.
Hat sie vielleicht was ganz anders gemeistert als Du?
Als ich von 25 Jahren im Einsatz war, gab es diese Art von sozialen Medien noch nicht. Damals wurden gerade die ersten E-Mails verschickt und ich habe noch oft Billig-Vorwahlen zum Telefonieren mit zuhause benutzt. Wir haben nun den Eindruck, dass mit WhatsApp und Co wir auch als Familie näher dran waren. Sie meisterte es anders, mal vom Projekt abzuschalten. Da sie weniger Freizeit hatte, als ich damals, waren diese Auszeiten besonders wichtig für sie. Auch ihre körperlichen Grenzen kennen zu lernen und einhalten zu lernen, war bei ihr anders, weil sie direkt im Projekt auch wohnt.
Herzlichen Dank, Ihr Lieben, für das Interview.
