Nachhaltig Reisen

Möchte man sein Leben ganzheitlich nachhaltiger gestalten, wird man früher oder später zwangsläufig über das Thema „Reisen“ stoßen. Auch wenn es diesbezüglich sicherlich am ökologischsten wäre, einfach zu Hause zu bleiben, ist mir durchaus klar, dass ihr diesen Blogeintrag nicht lesen würdet, wenn ihr nicht meine Leidenschaft, diese Welt zu erkunden, teilen würdet und Fernweh nicht in irgendeiner Form Teil eurer Persönlichkeit wäre. So haben wir ehemaligen CD-ler  doch alle die Erfahrung gemacht, wie bereichernd und lehrreich es sein kann, neue Kulturen kennen zulernen und dass es auch ganz einfach Spaß macht, neue Orte zu bereisen. Doch wie vereinen wir nun unsere Reiselust mit der Verantwortung gegenüber der Erde und dem Streben nach globaler Gerechtigkeit?

Ich habe ein paar Tipps zusammengestellt, die eure Reise umso nachhaltiger machen, je mehr ihr von diesen berücksichtigt:

  1. Transportmittel

Ich erzähle euch sicher nichts Neues, wenn ich sage, dass es nachhaltiger ist, den Zug zu nehmen anstatt des Autos und dass fliegen sowieso das allerschlimmste ist. Und auch wenn ich Inlandsflüge gänzlich und Kurzstreckenflüge zu großen Teilen aus meinem Fortbewegungsrepatoir gestrichen habe, so werde ich früher oder später doch noch einmal in mein Dienstland Bolivien zurückkehren und sicherlich auch noch zu einem späterem Zeitpunkt einen der Ozeane überqueren wollen. Was nun? Auch wenn man es schafft, einen Direktflug zu bekommen, was etwas geringere CO2 -Emissionen bedeuten würde als bei einem Flug mit Umstieg, bleibt der Schadstoffausstoß enorm.[1]

Doch keine Sorge, mit einer freiwilligen Kompensationszahlung könnt ihr auf Atmosfair oder Klima-Kollekte (kirchlich getragen) Umweltprojekte unterstützen, die die CO2-Emissionen eures Fluges wieder einsparen sollen. Ja, damit wird der so mühevoll herausgesuchte günstigste Flug wieder etwas teurer, aber wenn dafür eure Enkelkinder auch noch erleben können, was Schnee ist…

Apropos, für die Skifahrer unter euch, informiert euch vorher, ob die von euch anvisierten Skipisten mit Schneekanonen beschneit werden, diese sollte man nämlich leider auch meiden, dasselbe gilt für Kreuzfahrten.

  1. Reiseziel

Generell gilt, je näher das Reiseziel desto besser; umso weiter entfernt, desto länger sollte der Aufenthalt sein. Vielleicht ist es ja eine Option, weniger oft und dafür länger wegzufahren, das bedeutet nur einmal An- und Abfahrt. Manchmal geht es ja auch darum, mit einer Freundin einfach mal wieder Zeit zu verbringen, weil man sich so lange nicht gesehen hat. Dann muss das Wiedersehen vielleicht nicht unbedingt in Amsterdam oder Prag stattfinden, sondern an einem  schönen Plätzchen im Umkreis von 100 Kilometern?

  1. Overtourism vermeiden

Nachhaltig reisen bedeutet auch, Rücksicht auf das Leben und vor allem die Leute vor Ort zu nehmen. Praktisch kann das so aussehen, nicht unbedingt zu den Stoßzeiten der Hauptsaison zu verreisen oder ein weniger geläufiges Reiseziel zu wählen. Wir wären sicherlich alle überrascht, wie viele romantische einsame Fischerdörfchen oder weniger bekannte, aufregende Naturreservate darauf warten, dass wir ihnen einen Besuch abstatten. Außerdem empfiehlt es sich, was eben möglich ist, vor Ort über einen lokalen Veranstalter zu buchen, sowie regionale Speisen zu probieren. Die Einheimischen sollen schließlich auch etwas von unserem Vergnügen haben. 🙂

  1. Unterkünfte

Der Traum vom all-inclusive Urlaub im luxuriösen Traumhotel, mit drei Restaurants, Pool und Fitnessstudio scheint, so leid es mir tut, überholt. Genauso gut könnte ich Heizung und Klimaanlage gleichzeitig laufen lassen und jeden meiner Einkäufe einzeln eintüten – der Inbegriff von Verschwendung. Die gute Nachricht ist, dass dies viele aus der Branche erkannt haben und sich ein neuer Trend am Travelhorizont auftut: die sogenannten Biohotels.

Natürlich muss man wie in vielen Bereichen aufpassen, nicht überall wo Bio draufsteht ist, ist auch Bio drin. Auf biohotels.de findet man eine Auflistung an Hotels, die gewisse Kriterien erfüllen müssen, um von der Website aufgenommen zu werden. Ein anderer Anhaltspunkt kann das GreenSign – Label sein, ein Siegel, welches nachhaltige Hotels ausweist.

Mir ist wichtig, zu betonen, dass es nicht meine Absicht ist, All-inclusive-Urlaube  anzuprangern genauso wenig wie Pools oder Fitnessstudios. Ich glaube nur, dass wir unsere Unterkünfte auch noch unter anderen Aspekten betrachten sollten, als nur möglichst viel Luxus für möglichst wenig Geld zu bekommen. Vielleicht inspiriert euch ein Besuch auf der oben genannten Website, welche das sein könnten.

  1. Abfahrbereit

So, dann noch abschließend ein letzter Tipp, für alle, die noch nicht genug haben: Nicht vergessen das eigene Heim in den Energiesparmodus zu versetzen, bevor wir abreisen. Alle Stecker gezogen? WLAN aus? Die Geräte nicht nur im Standby?

„Zu reisen ist zu leben.“ – Hans Christian Andersen

Ich bin mir durchaus bewusst, dass meine Punkte teilweise etwas unangenehm sind, aber sie sollen zu verantwortlichem Handeln anregen, auf keinen Fall dazu ermutigen, das Reisen aufzugeben. Diese Welt ist wunderschön, wir sollten uns davon soviel ansehen, wie nur irgend möglich. Und gleichzeitig müssen wir sie bewahren, damit noch viele weitere Generationen in den Genuss ihres Anblicks kommen können.

¡Buen viaje! Eure Nora (ehem. FW in Bolivien, Botschafter*in)

Fotocredtis: SPIEGEL ONLINE https://www.spiegel.de/reise/europa/warum-sie-mit-einem-interrail-ticket-verreisen-sollten-tipps-und-tricks-a-87441d4f-b474-4cb1-8695-42485a46e5b3

CD-Botschafter*innen sind Teil der Rückkehrer*innen-Arbeit von Christliche Dienste. Zurückgekehrte Freiwillige wurden im Rahmen eines FEB-Projektes (Förderprogramm Entwicklungspolitische Bildung durch engagement Global) zu Themen der Nachhaltigen Entwicklung fortgebildet. Das Botschafter*innen-Seminar fand im März 2020 statt und bot, neben Themeneinheiten, Raum für Vernetzung und Austausch.

[1]Fliegen ist die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen. Ein Flug von Deutschland auf die Malediven und zurück (Entfernung: 2 x 8.000 km) verursacht pro Person eine Klimawirkung von über fünf Tonnen CO2. Mit einem Mittelklassewagen können Sie dafür mehr als 25.000 km fahren (bei einem Verbrauch von 7 l/100 km, siehe UBA-CO2-Rechner). Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/mobilitaet/flugreisen#gewusst-wie

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