Marion war 1992/93 mit CD in einem Gartenbauprojekt in einem entlegenen First Nations Reservat in Oxford House (Bunibonibee), im Norden Manitobas, Kanada.
Liebe Marion, wenn Du an deinen Freiwilligendienst denkst, welches Highlight kommt Dir spontan in den Sinn?
Der eine oder andere wartete sehnsüchtig auf die Saatkartoffeln, die ich mitbrachte, als auf mich als Helferin und es dauerte seine Zeit bis auf mein Zeichen des Grußes auch ich gegrüßt wurde. Aber es kam auch so:
Bei einem Besuch in der Schule bat mich eine Lehrerin, ihrer Mutter beim Vorbereiten ihres Gartens zu unterstützen. Ich laufe tags darauf ans andere Ende des langgezogenen Reservats zu einem älteren Ehepaar. Nach einem gemeinsamen Tee möchte ich loslegen, doch Jimmy kam noch nicht dazu, sich eine Gartenfräse zu leihen. Ich möge doch morgen wiederkommen. Tags darauf der gleiche Ablauf und wieder die Bitte, doch am nächsten Tag noch einmal zu kommen, dann könnten wir den Boden vorbereiten. Am dritten Tag trinken wir wieder gemeinsam Tee, die Fräse ist da, doch als ich rausschaue, sehe ich, dass der Boden schon fertig umgegraben ist. Ich denke im Stillen: Hey, ich bin für das ganze Reservat zuständig! – sage aber nichts.
Wochen später bin ich bei ihnen, als ihre Tochter Anna aus der Stadt ins Reservat kommt. Wie sie mir später erzählt, begrüßte ihre Mutter sie mit den Worten: „Komm herein und triff deine neue Schwester.“ So erfuhr ich, dass sie mich in ihre Familie aufgenommen haben.
Durch welche Erfahrung hast Du am meisten für Dein weiteres Leben mitgenommen?
Die Menschen im Oxford House haben mich direkt und indirekt positiv beeinflusst: direkt, indem sie mich dort akzeptierten, wie ich war, indirekt durch die Reaktion auf Vorträge und Kurse über meine Begegnungen mit ihnen, die ich im Anschluss in meiner Gemeinde, in der Volkshochschule und durch private Einladungen hier hielt.
Mit neuem Selbstbewusstsein begann ich mit 48 Jahren ein Sonderschulstudium und arbeitete danach als Lehrerin.
Wenn Du heute auf junge Leute in Deinem Umfeld blickst, für die ein Freiwilligendienst gut sein könnte, welchen Rat würdest Du ihnen gerne mitgeben?
An ein Buch musste ich oft denken zu Beginn meines ersten Aufenthalts dort: „Der kleine Prinz“ von Saint-Exupéry. Lest es noch einmal. Hier ist besonders die Begegnung mit dem Fuchs wichtig. Es geht um Bindung und Nähe schaffen. Das geht nur mit viel Geduld.
Was willst du CD für die Zukunft sagen?
Meine Erfahrung war zutiefst positiv und die Beziehungen, die ich im Reservat geknüpft habe, sind noch immer lebendig.
Vielen Dank, Marion, für das Interview.
